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»Gegen die schleichende Entmenschlichung der Tragödie auf dem Meer hilft nur, die Geschichten der Flüchtlinge zu erzählen.« Cristina Cattaneo

208 Seiten, 19.0 × 12.0 cm, Gebunden
ISBN 978-3-85869-866-7, 1. Auflage

Vorwort von Sacha Batthyany
Fotos von Mattia Balsamini
Dieser Titel ist auch als E-Book erhältlich

Erschienen am 25.03.2020

Namen statt Nummern

Auf der Suche nach den Opfern des Mittelmeers

Aus dem Italienischen von Barbara Sauser
Vorwort von Sacha Batthyany
Fotos von Mattia Balsamini

EUR 24,00 Alle Preisangaben inkl. MwSt.

Der 3. Oktober 2013 hat die jüngere europäische Geschichte verändert. Und das Leben von Cristina Cattaneo. An jenem Tag sank ein hoffnungslos überfülltes Boot mit über fünfhundert Menschen an Bord vor der Küste Lampedusas. Cattaneo, Forensikerin aus Mailand, die normalerweise bei der Aufklärung von Kriminalfällen behilflich ist, hat sich seitdem der Identifizierung der Opfer verschrieben. Kurz zuvor war ihr Vater verstorben, und sie, die sich jahrzehntelang beruflich mit dem Tod beschäftigt hatte, spürte plötzlich am eigenen Leib, wie sich der Verlust eines geliebten Menschen anfühlt. Sie konnte ihren Vater bestatten – doch die Angehörigen derer, die im Mittelmeer ertranken, können das nicht. Ihre Söhne, Mütter, Geschwister starben ohne Namen.

Cattaneo wurde klar: Eine Gesellschaft wird nicht nur daran gemessen, wie sie sich um die Lebenden kümmert. Sondern auch um die Toten. Seit jenem Tag analysiert sie in ihrem Labor DNA, begutachtet verwaschene Dokumente, Knochensplitter, Zahnbürsten, Kinderzeichnungen. Ein Name allein mache aus einer bloßen Statistik bereits einen Menschen, sagt sie, es sei das einzige Mittel gegen die Gleichgültigkeit. Ihr Buch ist die aufrüttelnde Schilderung eines hartnäckigen, unerschrockenen Einsatzes für die Menschenwürde.

Cristina Cattaneo ist Professorin für forensische Medizin an der Universität Mailand und Leiterin des Instituts Labanof, das federführend ist bei der Identifizierung der Opfer der großen Schiffsunglücke vor Lampedusa von 2013 und 2015. Es ist auch ihrer Hartnäckigkeit zu verdanken, dass dieses Projekt seitens der italienischen Behörden und in Kooperation mit dem IKRK ins Rollen kam. In den fünf Jahren ihrer Arbeit ist es ihr bislang gelungen, 37 Personen zu identifizieren. Ein Dokumentarfilm über Cristina Cattaneo kommt Ende 2020 in die Kinos.

»Immer wieder wird deutlich, wie mühsam und fordernd Cattaneos Pionierarbeit ist. Die Arbeit der Mailänder Professorin ist ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, die toten MigrantInnen nicht anders zu behandeln als etwa europäische Opfer eines Flugzeugabsturzes. Ihr Buch kann helfen, den Abstand zwischen den Geflüchteten uns uns zu verringern.«

Holger Heimann, Bücher am Sonntag

»Dieses Buch ist wichtig. Es ist erschreckend, daß es erst dieser Bilder, die uns die Autorin vor Augen führt, bedarf, um uns bewusst zu machen, daß es Menschen sind, die dort im Mittelmeer ums Leben kommen, Menschen mit Familien, die sie vermissen. Menschen und keine Nummern.«

Renate Müller, LovelyBooks

»Ein Buch voller Zuneigung für die unbekannten Migrant*innen, die im Mittelmeer ertrinken mussten. Cristina Cattaneo macht darin deutlich, daß es ein Gebot der Menschlichkeit ist, diesen Todesopfern und ihren Angehörigen ihre Namen und ihre Lebensgeschichte zurück zu geben. Ein Appell für eine menschlichere Politik und für die zivile Seenotrettung.«

Helga Egetenmeier, AVIVA

»Identität ist für Cattaneo ein Wert an sich. 'Die Öffentlichkeit denkt, man respektiert die Toten, indem man sie begräbt', sagt sie. 'Aber der Akt, jemandem einen Namen zu geben und ihn in ein rechtlich gültiges Dokument zu schreiben – was das für die Witwen, die geistige Gesundheit der Hinterbliebenen bedeutet, kann man kaum ermessen.'«

Meike Dinklage, Brigitte

»Cristina Cattaneo schreibt über ihre Arbeit in ihrem neuesten Buch, für das sie den Wissenschaftspreis 'Premio Galileo' erhalten hat. Was sie berichtet, kann niemanden gleichgültig lassen. Und wenn sie über unsere Haltung gegenüber den Verstorbenen spricht, stellt sich unausweichlich die Frage: Wie gehen wir mit den Lebenden um?«

Cornelia Lehmann, Frauenstimme

»Mit ihrem Buch legt Cristina Cattaneo eine lesenswerte Mischung vor. Sie teilt ihre persönlichen Empfindungen; wie sie mit dem Tod und den Toten umgeht. Zugleich liefert sie viel forensisches Wissen – und verliert nie den Blick für den politischen Kontext von Flucht sowie die Migrationspolitik der EU.«

Sonja Ernst, Deutschlandfunk