Wie eine belastete Kunstsammlung in ein öffentliches Museum fand

192 Seiten, 19.0 × 12.0 cm, Klappenbroschur
ISBN 978-3-85869-938-1, 1. Auflage

Dieser Titel ist auch als E-Book erhältlich

Erschienen am 23.09.2021

Das kontaminierte Museum

Das Kunsthaus Zürich und die Sammlung Bührle

EUR 22,00 Alle Preisangaben inkl. MwSt.

In der Kunstsammlung des Waffenfabrikanten Emil G. Bührle ist die kriegerische Geschichte des 20. Jahrhunderts gespeichert. Kriegsmaterialexporte an NS-Deutschland und in die Hotspots des Kalten Kriegs hatten ihn zum reichsten Schweizer gemacht. Ausgestattet mit unerschöpflichen Mitteln kaufte er Kunstwerke, die durch Ausplünderung und Vertreibung jüdischer Sammler und Galeristen auf den Kunstmarkt gespült wurden. Über Jahrzehnte schlummerte seine Sammlung in einem Privatmuseum und diente dem Ansehen der Familie Bührle. Nun soll sie im Neubau des Kunsthauses Zürich die Stadt als Kulturmetropole aufwerten. So zumindest die Hoffnung eines Zusammenschlusses verschiedener Akteure aus Politik, Wirtschaft und Museumswelt.

Wie fand die durch Krieg, Vertreibung und Holocaust kontaminierte Sammlung Einzug in ein öffentliches Museum? Der Historiker Erich Keller zeigt in diesem Buch, wie flüchtig Erinnerungskultur ist – und wie stark die Forschungsfreiheit gefährdet wird, wenn sie unter den Druck einer neoliberalen Standortpolitik gerät. Er erklärt, wie historisch belastete Kunst ökonomisch verwertbar gemacht wird und was Provenienzforschung leisten könnte.

Geht es um problematische Provenienzen, ist oft die Rede von „belasteten“ Bildern. Doch Kunstwerke aus dem 19. Jahrhundert wussten nichts von ihrer Zukunft. Was aber wollen die Museen von ihrer Vergangenheit wissen? Debatten um Raubkunst drehen sich nicht um eine entrückte Vergangenheit, sondern stellen Fragen nach politischer Verantwortung in der Gegenwart.

Erich Keller, 1968 geboren, ist promovierter Historiker und Journalist. Er war zwei Jahre lang wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsprojekts »Historische Kontextualisierung der Sammlung Bührle« an der Universität Zürich. 2020 wehrte er sich erfolgreich gegen beschönigende Eingriffe der Bührle-Stiftung und der Stadt Zürich in die Forschungsarbeiten. Er lebt mit seiner Familie in Bern.

»Keller schildert, wie Zürich um jeden Preis zu einer Kulturmetropole aufsteigen wolle, die endlich im europäischen Wettbewerb mithalten könne. Auch deshalb habe sich die Wissenschaft der Standortpolitik unterordnen sollen.«

Ulrike Knöfel, Der Spiegel

»Kellers leichtfüssig essayhaft geschriebenes Buch verhandelt nicht nur die historische Rolle Bührles, sondern vor allem die jüngere Vergangenheit: Wie bloss konnte es passieren, dass ausgerechnet das rot-grün regierte Zürich einem Nazi-Waffenschmied einen Erinnerungsort in diesem Ausmass gebaut hat?«

Kaspar Surber, WOZ

»Wer Erich Kellers Buch liest, dem wird klar, dass von einer Rehabilitation Bührles trotz der Aufnahme seiner Sammlung in das Kunsthaus nie und nimmer die Rede sein kann.«

Christoph Heim, Tages-Anzeiger

»Das Buch dürfte für Aufregung sorgen. Denn Keller zweifelt darin auch die Provenienzforschung der Bührle-Bilder an und stellt die These auf, dass sich darunter NS-Raubkunst befinde.«

Ellinor Landmann, SRF

»Keller schildert den Sammlungstransfer wie einen Krimi. Und er stellt die Fragen, an denen man das Kunsthaus messen wird.«

Lea Haller, NZZ Geschichte

»Ein einzelner Historiker legt sich mit den mächtigen Institutionen an, mit der Stiftung Bührle, dem Kunsthaus, der Stadt Zürich.«

Rebecca Wyss, SonntagsBlick