»Ich würde gern von hier verschwinden. Einen Bus nehmen, irgendwohin fahren, eine Küche haben, zu Hause eine Pflanze gießen.«

120 Seiten, 20.4 × 12.5 cm, Gebunden
ISBN 978-3-85869-440-9, 1. Auflage
Erschienen am 15.03.2011

Ein Zusammenbruch

Aus dem Französischen von Claudia Steinitz
EUR 18,50 Alle Preisangaben inkl. MwSt.

Eine junge Frau steht vor dem Nichts. Nach einem Zusammenbruch ist sie in der Psychatrie, auf der anderen Seite des Lebens gelandet. Hier werden ihr starke Medikamente verabreicht, und jeden Morgen wird sie mit einem Glas Marmelade gefüttert – damit der Appetit wiederkommt. Völlig aus dem Leben geworfen, muss sie die Leere und die Sprachlosigkeit aushalten. Nicht zu wissen, was mit ihr werden wird. Warten, dass ein Ende des Tunnels in Sicht kommt. Nach Wochen entstehen wie durch ein Wunder erste Momente: Sie entdeckt die anderen, nähert sich Robert, der trotz seines Traumas die Sprache nicht verloren hat. Gemeinsam brechen sie auf zu jener seltsamen Bar unter Bäumen, wo man das normale Leben spielt, oder sie liegen des Abends auf dem Rasen der Klinik – als wären sie in den Ferien.
Ghislaine Dunant berichtet in einer schlichten melodiösen Sprache aus dem Inneren der Psychatrie. Sie erzählt von einer totalen Erstarrung und einer zögerlichen, scheuen und schließlich beinah heiteren Über­tretung der Schwelle des Klinikparks – von der Rückkehr ins Leben.

Ghislaine Dunant, in Paris geboren, ist eine schweizerisch-französische Autorin. Nach Stationen in Basel, Genf und in der Zentralschweiz lebt sie heute in Paris. Ein Zusammenbruch, 2007 im Original bei Grasset erschienen, ist ihr vierter Roman und wurde 2008 mit dem Prix Michel Dentan ausgezeichnet.

»Was Dunant gelingt, ist nichts Geringeres als die schlichte Innenansicht einer Schizophrenie, ohne Pathos, ohne Panflöten, ohne Betty-Blue-Romantik. [...] Am Ende verlässt sie die tabuisierte depressive Leere, ein Mensch von hundert – und Gislaine Dunant spricht darüber. In einem beeindruckend nüchternen Buch.«

Michael Harde, Literarischer Monat

»Die sorgsame, gelenkige Übersetzung von Claudia Steinitz bewahrt den tastenden, immer offenen Duktus der Autorin auf präzise Weise, in einem Ton, der den Schrecken nicht mildert und ihn zugleich nie an Effekte verrät.«

Martin Zingg, NZZ Neue Zürcher Zeitung

»Das Buch erzählt von einer Frau, die um die Brüchigkeit der menschlichen Existenz weiß. Das ist sehr beunruhigend, aber durch die sehr zarte, sehr poetische Sprache wunderschön zu lesen.«

Dina Netz, Deutschlandradio

»Es ist ein leises Buch, das in der Beschreibung des Seelenzustands der Ich-Erzählerin weder pathetisch noch larmoyant wirkt. In klaren Sätzen fängt Dunant die Erschöpfung und Orientierungslosigkeit der jungen Frau ein. Depressionen, obwohl weit verbreitet, sind immer noch ein Tabuthema. Ein Grund mehr, den gut geschriebenen Roman zu empfehlen.«

Katja Buchholz, ekz.bibliotheksservice