Sommertipp von Thomas: «Nebelflüchtige» von Flurina Badel

Thomas Heilmann in Buchempfehlung / 06. August 2026
Sommertipp von Thomas: «Nebelflüchtige» von Flurina Badel
Perfekte Bergferienlektüre.

Zwar flüchtet aktuell niemand wegen Nebel in die Berge; doch Flurina Badels Roman Nebelflüchtige ist viel mehr als ein Fluchthelfer. Er ist eine packende Lektüre und zeigt eine Welt jenseits der Instagram-Shots des Massentourismus.

Ein Engadiner Dorf mit vielen Zweitheimischen; Aita, die das Dorf zugunsten der Grossstadt verlassen hat, aber zur Beerdigung ihrer Mutter zurückkehrt, und von der Realität eingeholt wird. Die Mutter kann nicht mehr helfen, und die Brüder («Vollpfosten») wollen so rasch wie möglich im Tourismusboom Kasse machen und das alte Engadinerhaus der Familie verkaufen. Alle machen’s ja so. Doch auch der Widerstand des alten Schulkameraden Luis, der geblieben ist, gegen den Ausverkauf ist auch nicht wirklich überzeugend. Es gibt nichts, woran sich Aita im Dorf halten kann, auch ihr Wiener Lebenspartner verblasst mehr und mehr. Sie stürzt in eine Lebenskrise.

Nebelflüchtige ist keine Ein-Thema-Geschichte, sondern ein komplexes Geflecht von Realität und Emotionen, gelebter Modernität und Wunsch nach Bewahren (der Lockdown als Chance?). Badels Sprache (und Ruth Ganters Übersetzung aus dem rätoromanischen Idiom Valader) ist passgenau zur inneren und äusseren Welt, die sie zeigt. Badel liebt ihre Heimat Engadin, aber das Engadin ist nicht die Idylle für die Zweitheimischen.

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